Wer scheitert, schweigt meistens. Über Erfolge wird gesprochen, über Misserfolge kaum – dabei steckt in ihnen oft das wertvollere Wissen. Bei Nudge Up sagen wir es offen: Wir kennen eigenes Scheitern. Und wir glauben, dass daraus neue Wege entstehen können.
Nicht jedes Scheitern ist gleich
Die Harvard-Forscherin Amy C. Edmondson unterscheidet in ihrem Buch The Right Kind of Wrong (2023) drei Arten:
- Vermeidbare Fehler: Das Wissen war da, wurde aber nicht genutzt. Hier helfen Checklisten, Routinen und Aufmerksamkeit.
- Komplexe Pannen: Viele Kleinigkeiten kommen unglücklich zusammen. Hier hilft es, früh hinzuschauen und kleine Warnzeichen ernst zu nehmen.
- Kluges Scheitern: Jemand probiert bewusst etwas Neues aus, gut vorbereitet und klein gehalten – und es klappt nicht. Dieses Scheitern ist kein Versagen, sondern Erkenntnis.
Skizze: KI-generiert (Claude)
Warum kluges Scheitern wertvoll ist
Jede neue Idee ist eine Vermutung. Ob sie stimmt, zeigt sich erst, wenn man sie ausprobiert. Wer früh und klein scheitert, verliert wenig und lernt viel. Wer dagegen nie etwas wagt, scheitert nicht – kommt aber auch nicht weiter.
Was es dafür braucht
- Psychologische Sicherheit: So nennt Edmondson ein Klima, in dem Menschen Fragen, Zweifel und Fehler ansprechen können, ohne Bloßstellung fürchten zu müssen. Wo das fehlt, werden Probleme versteckt, bis sie groß sind.
- Offenheit: Formate wie die Fuckup Nights, die 2012 in Mexiko-Stadt begannen, zeigen, wie entlastend es ist, öffentlich über das zu sprechen, was schiefging.
- Klare Unterscheidung: Wer jede Panne gleich behandelt, bestraft das mutige Ausprobieren genauso wie die Nachlässigkeit.
Wie man klug scheitert
- Vorher aufschreiben, was man erwartet. Sonst redet man sich jedes Ergebnis schön.
- Klein anfangen. Ein Test mit fünf Menschen statt einer Markteinführung.
- Einen Ausstiegspunkt festlegen. Woran merke ich, dass ich aufhören sollte?
- Auswerten, nicht verdrängen. Was genau hat nicht funktioniert – und warum?
- Teilen. Was du gelernt hast, erspart anderen denselben Umweg.
Scheitern ist nicht das Ende
Ein gescheitertes Projekt ist kein gescheiterter Mensch. Bei uns darf ein Vorhaben scheitern oder ruhen, ohne dass sein Mensch deshalb nicht mehr dazugehört. Man darf gehen und wiederkommen.
Und wenn dich gerade selbst etwas umtreibt, das nicht so gelaufen ist wie gedacht: Manchmal hilft es schon, mit jemandem darüber zu reden, der zuhört. Schreib uns – ganz in Ruhe.
Hinweis zu den Bildern: Die Skizze in diesem Artikel wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz (Claude) erstellt.