Wie ist das Universum entstanden? Was ist ein Schwarzes Loch? Und warum funktioniert Kernfusion in der Sonne, aber noch nicht im Kraftwerk? Wer solche Fragen hat, findet im Netz unzählige Antworten. Auf dem YouTube-Kanal „Urknall, Weltall und das Leben“ beantworten sie Menschen, die selbst auf diesen Gebieten forschen und lehren. Das Motto des Projekts: „Wissenschaftler erklären Wissenschaft.“
Skizze: KI-generiert (Claude)
Wie es angefangen hat
Der Kanal ging am 17. September 2014 online. Gegründet hat ihn der Astrophysiker Josef M. Gaßner. Er hat in Regensburg Mathematik und in München Physik studiert, wurde 2008 an der Universitätssternwarte München bei Harald Lesch promoviert und lehrt als Lehrbeauftragter Astronomie und Kosmologie an der Hochschule Landshut. Gemeinsam mit Harald Lesch hatte er schon 2012 ein Buch mit demselben Titel veröffentlicht.
Am Anfang standen Vorträge der beiden und kurze Gespräche zwischen ihnen, jeweils fünf bis fünfzehn Minuten lang. Ab 2015 kamen weitere Forschende dazu, Lesch begann eine zwanzigteilige Reihe über den Klimawandel. 2016 startete Gaßner die Reihe Von Aristoteles zur Stringtheorie – bis Januar 2024 waren es 96 Folgen.
Was daraus geworden ist
Heute ist „Urknall, Weltall und das Leben“ ein Team. Auf der Website stehen unter anderem Andreas Müller, Hartmut Zohm, Jenny Wagner, Christian Köberl und Peter Kroll für Videos aus Astrophysik, Plasmaphysik und Geowissenschaften – dazu Menschen, die sich um Kamera, Schnitt, Animationen, Übersetzungen und die Website kümmern. Neue Videos erscheinen jeden Donnerstag und Sonntag um 20 Uhr.
Laut Wikipedia hatte der Kanal im Juli 2025 rund 351.000 Abonnentinnen und Abonnenten, mehr als 1.200 Videos und über 120 Millionen Aufrufe. Es gibt einen zweiten Kanal, Videowissen, unter anderem für Fragerunden und englische Videos. Das Portal von Spektrum der Wissenschaft bindet Vorträge des Kanals ein, und 2023 wurden Vorträge aus einer Reihe des LMU-Wissenschaftsjahres für den Kanal aufgezeichnet.
Wie sich das Projekt trägt
Laut Impressum betreibt Josef M. Gaßner das Projekt selbst. Die Videos sind frei zugänglich. Auf der Website bittet das Team um Spenden; nach Angaben bei Wikipedia wurden damit eigene Videotechnik und die Mitarbeit von Fachleuten bezahlt. Dazu kommen Bücher, die über einen eigenen Shop angeboten werden, und Vorträge. Auf der Startseite heißt es: „Auf diesem Kanal steht inhaltliche Unabhängigkeit im Vordergrund.“
Genaue Zahlen zur Finanzierung veröffentlicht das Projekt nicht.
Was uns daran beeindruckt
Dieser Abschnitt ist unsere Einschätzung.
Wissen ist selten knapp – knapp ist jemand, der es geduldig erklärt. „Urknall, Weltall und das Leben“ zeigt, dass Wissenschaft nicht vereinfacht werden muss, bis nichts mehr stimmt, damit Menschen zuhören. Viele Vorträge nehmen sich Zeit und trauen dem Publikum etwas zu.
Uns gefällt auch, wie das Projekt gewachsen ist: von den Vorträgen und Gesprächen zweier Astrophysiker zu einer Gemeinschaft, in der erfahrene Forschende ihr Wissen weitergeben und andere mit Technik, Schnitt und Übersetzung dafür sorgen, dass es ankommt. Ohne großen Apparat, getragen von Menschen, die die Sache wichtig finden. Und mit einer Wirkung, die man in Zahlen ahnen kann, aber vor allem bei denen sieht, die mit diesen Videos lernen. Auch bei uns im Team lernt jemand regelmäßig Physik mit dem Kanal.
Zur Verbindung
Philipp Ludwig Weber, Gründer von Nudge Up, hatte während seines Studiums Kontakt zu Mitgliedern des Teams, die er auch als Dozenten erlebt hat. Eine geschäftliche Beziehung zwischen Nudge Up und „Urknall, Weltall und das Leben“ besteht nicht.